Konzept

Der menschliche Organismus lässt sich als eine Konstante auffassen, die sich in einem dynamischen Gleichgewicht befindet. Von der Geburt bis zum Tod vollzieht sich ein kontinuierlicher Prozess des Auf- und Abbaus, ohne dass dabei wesentliche Veränderungen auftreten. Fast jede Zelle des Menschen wird von Zeit zu Zeit von einer neuen, identischen Zelle ersetzt, ohne deren Erscheinungsform zu ändern. Unser Leben verläuft nicht wie eine gerade Linie. Unser Gleichgewicht ist fortwährend beeinflussenden Faktoren ausgesetzt. Jeder Faktor, der eine Abweichung von der Gleichgewichtsnorm verursacht, erzeugt gleichzeitig den Reiz für eine Rückkehr zur Norm. Daher passt sich der Organismus ständig an und bewegt sich zwischen dem einen und dem anderen Maximum. Als Menschen sind wir zwei konstanten Phänomenen ausgesetzt, einerseits der Schwerkraft und andererseits unserer Umgebung. Beide sind für eine normale Entwicklung notwendig. Neben diesen konstanten Phänomenen gibt es eine Anzahl sich ändernder Faktoren, die als Reize für unsere individuelle Entwicklung notwendig sind:

Diese Faktoren ändern sich in Frequenz, Dauer und Intensität und stellen je nach Auftreten ein “Zu viel” oder “Zu wenig” an Stressphänomenen dar. Eines der wesentlichen Prinzipien dabei lautet: nicht das Stressphänomen ist von Bedeutung, sondern die Art und Weise, wie der menschliche Organismus darauf reagiert.

Stressphänomene hinterlassen früher oder später einen funktionellen "Abdruck" im Körper. Dieser zeigt sich in folgenden Bereichen:
parietal = Bewegungsapparat,
viszeral = inneren Organe,
kraniosakral = Schädel, Wirbelsäule und Becken.
Für den Osteopathen zeigt sich der "Abdruck" in einer quantitativen und/oder qualitativen Bewegungseinschränkung der betroffenen Gewebe: eine sogenannte osteopathische Dysfunktion. Jeder Mensch besitzt seinen individuellen "Abdruck", den die verschiedenen einwirkenden Reize hinter-lassen haben. Er kann sich in Unwohlsein oder in Form von Symptomen äußern.

Der Osteopath diagnostiziert die Bewegungseinschränkung im parietalen, viszeralen und kraniosakralen Bereich. Dabei zielt seine Therapie auf die Wiederherstellung des dynamischen Gleichgewichts dieser drei Bereiche, so dass die selbstheilenden und selbstregulierenden Kräfte des Körpers wieder frei arbeiten können.

Dieses Konzept erlaubt dem Osteopathen, bei seiner Diagnose deutlich zwischen den primären und den sich daraus entwickelnden weiteren Osteopathischen Dysfunktionen zu unterscheiden. Auf diese Weise kann er eine spezifische und gezielte Behandlung vornehmen.